Ist es schlecht, sich jeden Tag die Haare zu waschen?

Ist es schlecht, sich jeden Tag die Haare zu waschen?
Marjolein Leenarts
Marjolein Leenarts, Dermatologin

Ist es gut oder schlecht, jeden Tag heiß zu duschen? Verleiht zusätzliches Wassertrinken strahlende Haut? Und ist es schlecht, sich jeden Tag die Haare zu waschen? Es zeigt sich, dass es viele falsche Vorstellungen darüber gibt, was gut für die Haut ist und was nicht. Dies ist das Ergebnis meiner Umfrage unter mehr als tausend Erwachsenen. Ich werde nun einige dieser Ansichten ein für alle Mal bestätigen bzw. widerlegen.

Gut oder schlecht? Tägliches Waschen der Haare

Es gibt viele Missverständnisse über die Haarpflege. Satte 82 % der Befragten sind der Meinung, dass das tägliche Waschen der Haare nicht gut für die Kopfhaut ist. Dennoch waschen zwei Drittel davon ihr Haar jeden Tag. Lediglich 2 % von ihnen wenden die ‚No-Poo’-Methode aktiv an. Das bedeutet, dass sie ihr Haar völlig ohne Shampoo waschen. Ist das gut? „Deine Haare ohne Shampoo zu waschen, ist nicht unbedingt gut oder schlecht. Wenn du eine (extrem) trockene Kopfhaut hast, brauchst du nicht bei jeder Wäsche ein starkes Reinigungsmittel. Wie bei der Haut deines Körpers ist auch der Bedarf deiner Kopfhaut sehr individuell. Hast du eine sehr trockene Kopfhaut? Dann ist es in Ordnung, das Shampoo hin und wieder wegzulassen. Wenn du eine fettige Kopfhaut hast, kann es jedoch sinnvoll sein, bei jeder Wäsche ein Shampoo mit milden Reinigungsmitteln zu verwenden. Die Ansammlung von Fett und Schmutz auf der Kopfhaut kann Reizungen und Juckreiz verursachen. Völlig auf Shampoo zu verzichten, dient meiner Meinung nach zu nichts. Suche nach einem Shampoo, das zu dir und deiner Kopfhaut passt.“ 

Und wie oft solltest du dein Haar waschen? „Tägliches Waschen der Haare schadet der Kopfhaut nicht unbedingt. Es ist jedoch schlecht für deine Kopfhaut, wenn du bereits eine trockene Kopfhaut hast. Im Winter steigt die Zahl der Menschen mit trockener Kopfhaut häufig an. Ein Drittel aller Erwachsenen hat eine trockene Kopfhaut. Für diese Gruppe von Menschen kann es tatsächlich ratsam sein, ihr Haar seltener mit Shampoo zu waschen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, es ist etwas Persönliches.“

Gut oder schlecht? Eine Haarspülung für die Kopfhaut


28 % der Befragten verwenden eine Haarspülung für die Kopfhaut. Die Verwendung einer Spülung auf der Kopfhaut führt dazu, dass Kopfhaut und Haare fettiger werden. „Dementsprechend müssen diese Personen ihre Haare öfter waschen. Es ist jedoch so, dass man die Haarspülung nur für die Haarspitzen benutzen sollte. Dieser Teil des Haares ist am meisten geschädigt und am ältesten, deshalb benötigt er die meiste Pflege. Wende sie also wirklich nur auf die Haarspitzen an. Shampoo hingegen ist tatsächlich wichtig für die Kopfhaut. 85 % der Befragten verwenden es bereits für den Kopf bis hin zu den Haarspitzen. Dennoch wird die Kopfhaut oft vergessen, obwohl dies am wichtigsten ist.

Gut oder schlecht? Wasser trinken für strahlende Haut

Mehr als drei Viertel der Personen glauben, dass zusätzliches Wassertrinken trockene Haut verhindert. Leider ist das Unsinn. Wasser zu trinken ist zwar gut für deinen Körper, aber es macht trockene Haut nicht plötzlich weniger trocken. Denn du scheidest es auf dem WC oder durch Schwitzen wieder aus.

Was kannst du also für deine Haut tun? Eincremen und nochmals eincremen. Interessanterweise verwenden nur 34 % der Befragten täglich Hautpflegeprodukte. 17 % aller Erwachsenen tun dies nicht einmal, obwohl dies letztlich die beste Lösung gegen trockene Haut ist. „Neben dem lauwarmen Duschen empfehle ich: eincremen, eincremen, eincremen. Wenn du trockene Haut hast, verwende täglich eine gut fettende Creme oder Salbe, vorzugsweise ohne Parfüm. Wenn du diese zu fetthaltig findest, ist eine Körperlotion eine gute Alternative. So wird die Barrierefunktion der Haut wiederhergestellt und die Haut erhält eine Schutzschicht. Dies ist die beste Lösung, um sie weich und geschmeidig zu halten. Und vor allem: Vergiss die Hände nicht.“

Und was ist mit kaltem Duschen?

Bei kühlen Temperaturen ist eine ausgiebige heiße Dusche sehr verlockend. Inzwischen machst du das angesichts der Energiepreise vielleicht weniger oft. Wie gut oder schlecht ist kaltes Duschen für deine trockene Haut? Drei Viertel der Erwachsenen sind der Meinung, dass tägliches Duschen, unabhängig von der Wassertemperatur, nicht gut für die Haut ist. Noch mehr Menschen glauben, dass zu heißes Duschen die Haut austrocknet – 80 %. Fast 70 % glauben, dass kaltes Duschen gut für die Haut ist.

Eiskalt zu duschen, ist nicht unbedingt besser für Haut und Haar. Was allerdings gut ist, ist eine lauwarme Dusche. Heißes Duschen beeinträchtigt sowohl die äußere Schicht der Haut als auch deren Fettschicht. Das liegt daran, dass heißes Wasser die (Kopf-)Haut austrocknet. Diese fetthaltige Hautschicht hält und schützt ihre Feuchtigkeit vor Verlust. Darüber hinaus bildet die äußere Schicht der Haut eine Schutzbarriere für den Körper. Sie schützt sie unter anderem gegen Bakterien, bestimmte Substanzen und sonstige Eindringlinge.

„Kaltes Duschen ist per se nicht gut für die Haut. Ich hoffe, dass ich mit dieser Aussage vielen Menschen eine Menge Frösteln erspare: Es ist am besten, lauwarm zu duschen. Wenn eine kalte Dusche dich morgens erst richtig wach macht, solltest du das auf jeden Fall beibehalten, aber du brauchst es nicht für deine Haut zu tun. Eine wirklich heiße Dusche kann die Haut jedoch austrocknen. Versuche also, das zu vermeiden, und dusche dich lauwarm. Das ist gut für die Haut und auch für die Stromrechnung.