Dehnungsstreifen vermeiden. Geht das?

Dehnungsstreifen vermeiden. Geht das?
Marjolein Leenarts
Marjolein Leenarts, Dermatologin

Angel scratches, Tigerstreifen, Zebrafell… Klingt alles recht spaßig, oder? Aber wenn ich dir sage, dass ich von ‚Striae’ (Schwangerschafts- bzw. Dehnungsstreifen) spreche, wird es schnell weniger lustig. 70 % aller schwangeren Frauen sind davon betroffen. Ich werde häufig gefragt: Was kann man gegen Dehnungsstreifen tun? In der Medizin heißt es oft „Vorbeugen ist besser als heilen“ – aber gilt das auch bei Dehnungsstreifen? Was sind Dehnungsstreifen überhaupt? Und gibt es irgendwelche Cremes, die Striae verhindern oder abmildern?

Kann man das Entstehen von Dehnungsstreifen in der Schwangerschaft verhindern?

Leider kann ich in Bezug auf Dehnungsstreifen nur kurz und bündig sagen: Es ist unmöglich, Dehnungsstreifen während der Schwangerschaft zu verhindern. Dehnungsstreifen sind in der Tat subkutane Narben. Sie entstehen durch die schnelle Dehnung der Haut während der Schwangerschaft. 70 % der schwangeren Frauen bekommen sie. Im Allgemeinen treten sie am Bauch, am Gesäß, an den Beinen und Brüsten auf.

Die Forschung zeigt, dass das Risiko von Dehnungsstreifen steigt, wenn man in jüngerem Alter (unter 30) schwanger wird. Darüber hinaus scheinen Raucherinnen und Menschen mit dunkler Hautfarbe ein höheres Risiko zu haben. Auch ein genetischer Zusammenhang ist eindeutig nachgewiesen worden. Abgesehen vom Faktor ‚Rauchen’ gilt also für alle anderen Ursachen die Regel, dass man einfach Pech hat, wenn man sie bekommt. Und bei über 70 % der Schwangeren ist dir auch klar, dass du definitiv nicht die Einzige bist!

Cremes gegen Dehnungsstreifen in der Schwangerschaft

Es gibt eine große Anzahl von Cremes gegen Dehnungsstreifen. Auch dazu will ich mich kurz fassen: Es gibt keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Inhaltsstoff, der Dehnungsstreifen verhindert. Gib also vor allem kein Geld für all die hochtrabenden Behauptungen auf der Verpackung einer Creme gegen Dehnungsstreifen aus…

Habe ich denn überhaupt keine guten Nachrichten? Doch. Es scheint, dass es einen kleinen positiven Effekt hat, wenn die Haut geschmeidig gehalten und sanft massiert wird. Du kannst dazu eine beliebige Creme oder Hautöl dafür verwenden – natürlich ohne Parfüm und andere Allergene. Aber erwarte keine Wunder!

Dehnungsstreifen werden mit der Zeit weniger sichtbar

Was ist, wenn man Dehnungsstreifen hat? Wie bei fast allen Narben sind auch die Dehnungsstreifen mit der Zeit weniger sichtbar. Anfangs sind sie stark rot und lila, doch das verblasst von selbst. Nach einer gewissen Zeit werden sie heller. Eine Laserbehandlung der Dehnungsstreifen oder ein Peeling können die Narben im Anfangsstadium manchmal etwas weniger rot werden lassen. Aber wie ich gerade schrieb: Das kommt auch von alleine.

Heutzutage sehe ich immer mehr große Beauty-Marken, die mit Models arbeiten, deren Dehnungsstreifen nicht weggeschminkt sind. Ich halte dies für eine sehr positive Entwicklung. Denn warum sollten wir die Unebenheiten unserer Haut nicht einfach annehmen? Sie zeigen, dass wir ein Kind ausgetragen haben – und darauf dürfen wir stolz sein!

Mir ist klar, dass dieser Blogbeitrag dir vielleicht nicht die Tipps gibt, nach denen du gesucht hast: Wie kann ich Dehnungsstreifen vermeiden? Auch ich würde lieber schreiben, nimm das Produkt X, creme dich damit ein und es wird ein Wunder bei dir bewirken… Doch das ist nicht die Wahrheit, und genau um die geht es mir. Ich hoffe also, dass du es als etwas Positives siehst. Denn wenn du diesen Beitrag gelesen hast, wirst du viel Geld sparen, das du für andere tolle Dinge ausgeben kannst!

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